So gehts den Kommunionkindern 2020

Mädchen in weißen Kleidern, Jungen in dunklen Anzügen, die feierlich zum Altar schreiten, um das erste Mal das Brot des Herrn entgegen zu nehmen: Das Fest der Erstkommunion hätte eigentlich am morgigen Weißen Sonntag gefeiert werden sollen. Wenn der Corona-Virus nicht das gesellschaftliche Leben lahm gelegt hätte. Das Fest wurde verschoben auf unbestimmte Zeit. Wir haben die Kinder und ihre Eltern gefragt, wie sie mit der Situation umgehen.

Rüthen – „Klar war ich enttäuscht“, sagt zum Beispiel Malin Lohkemper aus Rüthen. Genau wie Lotta Brexel, die noch ergänzt: „Wir müssen jetzt auf unsere Gesundheit achten.“ Natürlich sei er traurig gewesen, meint Gerrit Rüther aus Nettelstädt. Aber viel mehr noch macht dem begeisterten Kicker zu schaffen, dass derzeit keine Fußballspiele stattfinden. Alle Kinder zeigen aber auch Verständnis für die Maßnahme. Die Zwillinge Hannah und Mia Cramer aus Rüthen sagen zum Beispiel: „Da unser Bruder an Mukoviszidose leidet und wir oft deshalb auf schöne Dinge verzichten müssen, konnten wir dies schnell akzeptieren, auch wenn uns jeglicher Kontakt zu Verwandten (besonders zu den Großeltern und unseren Cousins) sehr fehlt.“

Traurig sei sie dann auch selbst geworden, sagt Christiane Lohkemper. „Als mein Blick auf den Kalender gefallen ist, auf dem die letzten Termine wie Palmbundbinden und Kinderkreuzweg schon eingetragen waren.“ Einige haben es dann so gemacht wie Familie Rüther: Gemeinsam in Ruhe zuhause die Rituale durchgeführt. „Wir haben viel darüber gesprochen und gelesen. Aus der Kapelle haben wir uns dann einen Palmbund geholt“, berichtet Eva Rüther.

Und Zwillingsmutter Mareike Cramer sagt: „Wir haben beim Waldspaziergang eine Dornenhecke gefunden und haben feststellen müssen, was für große Schmerzen Jesus mit der Dornkrone gehabt haben muss.“ Auch Familie Wiegelmann-Marx mit Kommunionkind Lina aus Altenrüthen hat die Karwoche „so gut es ging“ zuhause durchgeführt. „Wir haben zum Beispiel selber Brot gebacken und es in Erinnerung an das letzte Abendmahl abends mit Kräuterquark gegessen“, berichtet Julia Wiegelmann-Marx.

Kinder und Eltern hoffen nun auf einen Nachholtermin im Herbst. „Wir wünschen uns, dass den Kindern ihr persönlicher Tag gegeben wird. Als Gruppe, so wie sie sich drauf vorbereitet haben“, sagt Manuela Meschede, die Mama von Linus aus Kallenhardt. Keinesfalls sollten sie nur aus organisatorischen Gründen abgefertigt oder „irgendwie dazugestopft“ werden.

Der neue Termin, wünschen sich viele, sollte aber nach Möglichkeit nicht mit dem Kreisschützenfest kollidieren, das am 20./21. September in Bökenförde stattfindet und bisher noch nicht abgesagt wurde. Dann gilt es natürlich noch die Herbstferien zu beachten (12. bis 24. Oktober). Damit Eltern und Gäste nicht dicht gedrängt in den Kirchen sitzen, können sich einige eine Entzerrung vorstellen: Zum Beispiel nicht nur eine zentrale Kommunionfeier für die Norddörfer, sondern zwei. Dass nicht alle Feiern parallel stattfinden, wünscht sich auch Lotta Brexel: „Damit ich nicht am selben Tag wie mein Cousin feiern muss.“

Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch, dass keiner auf die Anwesenheit von Großeltern und Paten verzichten möchte. „Es wäre schon doof, wenn die Omas und Opas nicht dabei sein dürften“, sagt Julia Wiegelmann-Marx. Sie und Tochter Lina waren auch froh, dass die Kommunion der Orte Drewer, Meiste, Kneblinghausen, Hemmern und Altenrüthen in ihrem Wohnort stattfinden sollte. „Das erste Mal seit sieben Jahren.“ Ob das bei einem Ersatztermin auch so sein wird, weiß sie nicht.

Was keiner möchte, ist, dass die Erstkommunion erst im kommenden Jahr gefeiert wird, zusammen mit den Kindern, die dann zur Kommunion gehen. Ein Doppeljahrgang. „Die Kinder haben sich gemeinsam vorbereitet, da sollen sie auch im Verband feiern dürfen“, findet Uta Brexel.

Ob Kleider und Anzüge im Herbst noch passen? Darüber haben sich alle Gedanken gemacht. „Lottas Kleid haben wir eine Nummer größer gekauft. Das passt sicherlich noch“, sagt ihre Mutter Uta Brexel. Ein anderes Problem sind die Schuhe. „Meine Füße wachsen nämlich immer so schnell.“ Malins konnte Christiane Lohkemper glücklicherweise noch zurückgeben. Dass Gerrit der Anzug womöglich zu kurz werden könnte, sieht seine Mutter Eva Rüther gelassen. „Dann trägt er halt Hochwasser. Das ist ja auch gerade wieder modern.“ Ob sie den Anzug noch hätte zurückgeben können, hat sie gar nicht gefragt. „Die Bekleidungsgeschäfte haben ja im Moment sowieso mit Umsatzeinbußen zu kämpfen.“

Auf Kosten für Essen und Raummieten sind die Eltern, die unsere Redaktion gefragt hat, nicht hängen geblieben. „Die Stornierungen für Essen und Location gingen bei uns reibungslos“, berichtet Manuela Meschede und schickt auf diesem Wege ein Dankeschön an Gaststätten und Caterer. Probleme, fürchtet sie, wird es erst geben, wenn neue Termine festgemacht werden müssen. „Um den Vorrat an Wein, Sekt und Schokolade, den wir im Vorfeld eingekauft haben, mache ich mir auch keine Sorgen.“ Glück hat Familie Cramer: Ein Verwandter ist Koch und liefert das Essen nun gern zu einem anderen Termin. Kein Verfallsdatum hat die Dekoration. Die liegt bei den meisten griffbereit. Einige haben bereits Einladungskarten drucken lassen. Die werden nun mit dem neuen Datum versehen. Oder man macht es wie Familie Lohkemper. Die hat eine Nachricht an alle Gäste geschickt mit dem Wortlaut: „Die Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit.“

Eine Person wurde von allen bei der Kommunionvorbereitung vermisst: Gemeindereferentin Hildegard Langer, die dieses Jahr krankheitsbedingt ausfiel und in den vergangenen Jahren stets mit viel Herzblut die Kinder begleitet hat. Dennoch stand sie den Müttern mit Rat und Tat zur Seite. Dafür bedanken sich Renate Bünner, Vera Dusny, Pia Fechner, Christiane Götte, Pamela Grüne, Eva und Stefan Rüther, Christiane Schirk und Anita Zimmermann, die das Vorbereitungsteam gebildet haben. Ein großes Dankeschön sagen sie auch den Damen vom ehrenamtlichen Team mit Angelika Sprick, Birgit Voß, Mareike Voß, Elisabeth Happe, Gertrud Schwarte, Gabi Krane, Marion Eickel und Hildegard Lepper. Und natürlich auch den beiden Pastoren Stefan Gosmann und Theobald Wiechers.

Unterdessen hat Familie Cramer schon Pläne für den Weißen Sonntag geschmiedet – denn das wäre eigentlich ihr großer Tag gewesen. „Mia und Hannah dürfen bestimmen, was es zu Essen geben soll und was wir als Familie den Tag machen sollen.“

Text aus DerPatriot vom 18.04.2020

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