Das unsichtbare Kloster-Projekt beendet

Noch schnell auf dem Parkplatz vor der Arbeit das Smartphone gezückt, kurz Inne gehalten, sich die Botschaft auf dem Handy vor Augen gehalten, ein schnelles „Vater unser“ gebetet und das Kreuzzeichen gemacht: So oder so ähnlich könnte die Morgenroutine bei vielen Rüthener Gläubigen in den vergangenen sechs Wochen ausgesehen haben. Zum ersten Mal waren sie nämlich zu Besuch im unsichtbaren Kloster: Um Gemeinschaft im Glauben, Rückzug und innere Einkehr hautnah mitzuerleben, mussten die Teilnehmer dafür nicht wochenlang zu Besuch in einem echten Kloster sein, vielmehr war das Kloster in der Fastenzeit zu Besuch im neuen pastoralen Raum Rüthen-Anröchte.

Mit dem Abschluss des Projektes am Palmsonntag fand das unsichtbare Kloster zugleich seinen Höhepunkt in der Kallenhardter Clemenskirche.Dazu prägte ein durchaus ungewöhnliches Bild das in warme Osterfarben eingetauchte Gotteshaus: Anstelle wie gewöhnlich hintereinander in den Bänken zu sitzen, versammelten sich die Besucher im Kirchengang an einer langen, festlich gedeckten Tafel zum gemeinsamen Abendmahl, um Aha-Erlebnisse, besondere Erfahrungen und Impressionen der vergangenen Wochen auszutauschen.Dabei wurde das unsichtbare Kloster zwischen Brot, Wasser, Wein und Traubensaft allmählich wieder sichtbar: Auf Tischdecken hielten die Kloster-Besucher ihre Gedanken fest, die sie zuvor mithilfe der insgesamt sechs Impulskarten gesammelt hatten. Wöchentlich erschien dazu in der Fastenzeit eine neue Karte unter einem individuellen Motto, die mit Gebeten, Versen oder Bibel-Psalmen zum Innehalten und Nachdenken anregte.Doch auch Verbesserungsvorschläge, Anregungen und Kritik nahmen Christa Mertens und Hildegard Langer als federführende Initiatorinnen gerne mit: Im Zuge der neuen Medien schlug die junge Generation etwa vor, die Texte im kommenden Jahr per SMS auf das Smartphone zu senden.Bei einer Sache waren sich alle Anwesenden jedoch einig: „Die Aktion sollte nächstes Jahr wiederholt werden“ stand gleich mehrfach in bunter Schrift auf der weißen Tischdecke geschrieben.Und auch Gemeindereferentin Christa Mertens präsentierte sich mit dem Verlauf des ersten unsichtbaren Klosters voll zufrieden: „Vor allem während der Krankenkommunion und von den Senioren, die das Haus nicht mehr ständig verlassen können, haben wir positive Rückmeldungen erhalten“, freute sich Mertens.Auch die zunächst außergewöhnlich klingende Kombination aus Gebet und Handy, mit dem die Gebetskarten in der Fastenzeit online abgerufen werden konnten, sei bei den Teilnehmern gut angekommen und habe etwa ein spontanes Innehalten auf dem Parkplatz vor der Arbeit ermöglicht. „Obwohl die Kirche zurzeit im Umbruch ist, sind wir auf einem guten Weg, denn durch solche Aktionen merkt man, dass die Kirche lebendig ist“, war sich Christa Mertens sicher. „Dass so viele mitgemacht haben, zeigt, dass wir vieles richtig gemacht haben.“

Foto und TExt aus: DerPatriot vom 16.04.2019

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