Kommunionkinder in der Krippenausstellung

Das Jesuskind ist ja aus Papier …

Einen Ausflug zwischen Weihnachten und Neujahr unternahmen die Kommunionkinder um sich selbst die Fragen zu beantworten: „Wie sehen eigentlich Krippen aus anderen Ländern aus? In Ländern, wo es keine Ochsen und Esel gibt, wo man keine Könige nachbilden darf?“ Rund 600 Krippen aus 60 Ländern sind in Werl ausgestellt - darunter welche aus dem Amazonasgebiet oder so exotische wie die des tansanische Makonde-Stammes. Ochsen und Esel sind im Amazonas-Tiefland nicht heimisch. Und wegen der vielen Auseinandersetzungen mit spanischen Königen bilden Peruaner keine Könige nach.

Kommunionkinder aus Rüthen besuchen die KrippenausstellungDie Darstellung von Christi Geburt muss in dem südamerikanischen Land ohne Ochs, Esel und Könige auskommen. Dass das gut funktioniert, zeigt die Krippenausstellung im Forum der Völker in Werl. Überwiegend stammen sie aus Afrika, Asien und Südamerika. Die Krippenkultur in diesen südlichen Ländern ist jung, aber sehr lebendig. Früher hätten Missionare aus Europa ihre Krippen dorthin mitgenommen, so erzählte uns Pater Reinhard Kellerhoff. Der aus Kneblinghausen gebürtige Franziskaner Pater freut sich jedes Jahr auf die Gruppe der Kommunionkinder aus der Heimat.

Besonders interessant fanden die Kinder auch die Krippe aus einfachem Zeitungspapier gerollt, oder aber die Krippe auf dem Floß. Shipibo-Indianer aus dem Amazonas-Tiefland lassen die Weihnachtsgeschichte auf einem Floß spielen. Dann zeigt uns Pater Reinhard eine Krippe aus hellem Holz: Auf Josefs Schulter sitzt ein Papagei, bei der kleinen Familie stehen ein Affe, ein Gürteltier, andere in Peru heimische Tiere und einfach Leute anstelle der Heiligen Drei Könige. Wenn uns Pater Reinhard durch seine Ausstellung führt, erfahren wir viel über die Länder und Völker, die er besucht und aus denen er die Krippen mitgebracht hat. Die meisten Krippen sind Zeichen des Danks an die Franziskaner-Missionare. Migrantinnen in Kenia haben für Pater Reinhard eine Krippe erstellt, weil die Franziskaner ihnen Matratzen, Gaskocher und Kochtöpfe geschenkt haben. Die Figuren sind aus Stoff. Am häufigsten wurde Holz verwendet. Aber es gibt auch Stücke aus Blechdosen oder Zeitungspapier. "Arme Menschen bauen Krippen aus Materialien, die nichts kosten", sagt Pater Reinhard.

Kommunionkinder aus dem Pastoralverbund besuchen die Krippenausstellung im Forum der Völker in Werl – Weihnachtswelt mit 600 Krippen aus 60 Ländern

Krippe aus SüdamerikaDie vielen verschiedenen Krippen haben alle die gleich Aussage: „Gott wird Mensch.“ Da ist es egal, ob im Stall, im Boot oder im Auto und auch völlig gleich, ob Gürteltiere, Zebras oder Ochs und Esel zu Gast sind. Es ist eine besonders enge Beziehung, die die Franziskaner mit der Krippe verbindet. War es doch Franziskus von Assisi, der 1223 zum ersten Mal ein Krippenspiel mit lebendigen Figuren aufführen ließ. Für die Franziskaner gehört die Liebe zur Weihnachtskrippe daher zum geistigen Erbe des heiligen Franziskus. Mit ihrem Wirken wurde diese Tradition populär und die Krippe gelangte auch in den privaten Bereich.

Eine große, aus Sao Paulo stammende Figurengruppe bezeichnet Pater Reinhard als „befreiungstheologische Krippe“. Hier sind all diejenigen um den Stall versammelt, die es in der Gesellschaft schwer haben oder ausgegrenzt werden: Alte und Kranke, Indios und Landlose, Drogenabhängige und Prostituierte sowie halbnackte Kinder, die Hunger haben und zur Schule gehen wollen. „Jesus ist für alle Menschen zur Welt gekommen, das sagt uns diese Krippe in aller Deutlichkeit.“ „Hier sind alle um den Stall versammelt, die es in der Gesellschaft schwer haben.“

Auch die Frage, wie der höchstgelegene See der Welt heißt, wurde uns bei dem Besuch der Krippenausstellung beantwortet. Denn vom Titicaca-See kommt eine weitere, regionalspezifische Besonderheit, die Totora-Krippe. „Auf dem See leben die Menschen noch auf Inseln, die aus dem stabilen Totora-Schilf geflochten werden“, weiß Pater Reinhard.

Im Anschluss an den Besuch des Museums gab es noch eine Stärkung mit Getränken und Kuchen im Pilgersaal des Franziskanerklosters. Von Eltern gebackener Kuchen schmeckte nach so vielen Informationen besonders gut. Zum Abschluss des Ausflugs versammelten sich noch alle Kinder und Erwachsenen an der Krippe in der Wallfahrtsbasilika um dort gemeinsam „O du fröhliche“ zu singen und gemeinsam ein Gebet zu sprechen.

Zufrieden aber auch erschöpft kamen wir am Abend wieder mit dem Bus in Rüthen an.

Suche

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen