Oestervelde-Kallenhardt-Ein Rückblick

Die rd. 1650 Einwohner zählende Gemeinde Kallenhardt, seit 1975 Ortsteil der Stadt Rüthen im Kreis Soest, feiert im Jahre 2022 ihren 950. Geburtstag. Noch unter der Bezeichnung Ostervelde (Hostervelden) wird die ehemalige Kirchengemeinde des heutigen Kallenhardt 1072 erstmals urkundlich erwähnt. "Hostervelden" erscheint neben vielen anderen Pfarrgemeinden und Besiedlungen in der Schenkungsurkunde des hl. Anno II, Erzbischof zu Köln, an das zuvor gegründete Kloster Grafschaft in der Stadt Schmallenberg im Hochsauerland.


Dennoch gilt das Jahr 1072 keineswegs als Gründungsjahr dieser späteren Ortschaften.  Wenn die genannten Kirchen "zum Unterhalt und zur Bekleidung der Mönche" des neugegründeten Klosters geschenkt sind, können und dürfen sie natürlich keine jungen Pfarrgründungen sein, die noch um ihre Existenz ringen müssen, sondern fest fundierte, vermögende und schon längst bestehende Pfarreien.
Der Name dieser alten Gemeinde ist abzuleiten von dem gerodeten Waldgebiet, dem "Esterwald". Aus dem östlichen Teil des Lüerwaldes (heute der Arnsberger Wald) entwickelte sich das "Esterveld", das Osterfeld. Schon lange vor dem Gründungsjahr dürfte Ostervelde von "Routhino = Altenrüthen, abgepfarrt worden sein, denn die Geschichte der Besiedlung des hiesigen Raumes zeigt deutlich, dass  Ostervelde von Altenrüthen aus besiedelt wurde.
Die "curtis Ostervelde" wird zudem bereits in dem Probsteiregister der Abtei Werden im 9. Jahrhundert erwähnt.
"Der im Thale gelegene Haupthof", wozu 30 Unterhöfe, eine Kirche und ein "castrum" auf der anstoßenden Höhe gehörten, stand der kölnischen Kirche zu. 

Wie das ehemalige Kirchen- oder Kapellenbauwerk von Ostervelde, das noch bis ins 17. Jahrhundert als Gotteshaus gedient haben soll, tatsächlich aufgebaut war, ist nicht überliefert. Lediglich der Standort des Gebäudes an der abfallenden Nordseite des "Osterfeldsberg" wird heute noch als "Kliusen Kerkhoaf" (Klausen Kirchhof) geführt. Das heutige Wiesengrundstück  steht im Eigentum der Pfarrgemeinde "St. Clemens" Kallenhardt und wird seither auf Pachtbasis landwirtschaftlich genutzt. Die Struktur der terrassenförmig ausgebildeten Wiesenfläche lässt darüber hinaus die ehemaligen Fundamente des Gotteshause durchaus erahnen.

Anlässlich des in 2022 zu feiernden Ortsjubiläums sollte der festgestellte Standort des Kirchengebäudes der Öffentlichkeit als mittelalterliches Relikt erkundet und vorgestellt werden, ein Stück Kallenhardter Geschichte.

Das archäologische Amt beim LWL lehnte bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Freilegung der Fundamente aus unterschiedlichen Gründen ab. Eine erneute Nachfrage in 2018 änderte daran nichts, dennoch fand das Amt lobenswerte Worte für das Projekt des FöV Heimatpflege Kallenhardt und sagte Unterstützung zu. Erfreulicherweise verwies das Amt auch auf die Nutzung einer "archäologisch geophysikalische Prospektion", die eine Lokalisierung der Fundamente ermögliche und von den Archäologen schon häufiger in Anspruch genommen worden sei.

Noch im November 2018 erledigte das Unternehmen seinen Auftrag mit Unterstützung freiwilliger Helfer aus der Gemeinde Kallenhardt und großzügigen Spenden. In einem Gutachten über Bodenbeschaffenheit, Ausmaße und Tiefe der ehemaligen Kirchenfundamente liegen nun deutliche Informationen vor.

Die Forschungsarbeiten sind damit noch nicht ganz zu Ende geführt. Das flächenmäßige Ausmaß des Kirchenstandortes an der Oberfläche, ca. 12 x 32 m, wird noch kenntlich gemacht und auch ein Zielpunkt des Auszeit - Pilgerweges werden. Für Jedermann erkennbar und zugänglich.

 

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